Skip to main content

René Mahr Maler- und Lackierermeister GmbH

XXV Jahre, seit 1993 - schnell und zuverlässig

Startseite
Wir über uns
Leistungen
Projekte und Referenzen
Infrarot-Technik
Sonstiges
Kontakt
Impressum/Hinweise
"Ein Koffer gefällig?"
Diese Seite ist noch in Arbeit!
Bitte etwas Geduld.
Vielen Dank
 
 
 
Ich nehme mit: "Einen alte Reisetruhe...........
 
 Wie gefunden! 
 
 
Ein "KOFFER" ist  laut Definition ein quaderförmiges, robustes, mit einem Deckel versehenes, verschließbares Behältnis für den manuellen Transport von Gegenständen.
Vorgänger des Koffers waren Reisetruhen und Kisten aus Holz. Für den Transport mit Kutsche, Schiff und Zug sollten diese in Art und Form vor allem robust und stapelbar sein.
 
Zwischen 1850 und 1920 war es üblich, Überseekoffer mit Segeltuch zu bespannen, mit Leinölfirnis einzulassen und mit echter Ölfarbe wasserdicht zu machen.
Das bespannen mit Segeltuch hatte verschiedene Vorteile. Zum ersten waren diese Koffer wassergeschützt und zum zweiten verlieh der Stoff der Konstruktion eine größere Festigkeit, so dass zur Gewichtsersparnis dünneres Holz verwendet werden konnte. 
An der Kofferproduktion waren früher viele Gewerke wie Tischler (Grundkörper), Täschner (Bezüge) und Schlosser (für Schlösser und Beschläge) beteiligt.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Koffer dann in Fabriken zum Massenprodukt. Und wie auch heute, so gab es "teure" Luxusmarken und "Standardprodukte".
 
Ein Exemplar der älteren Reisekistengeneration (geschätzt um 1900) gelangte uns vor kurzem in die Hände.
Fast achtlos lagerte das gute Stück auf einem dörflichen Speicher (Dachboden)! 
 
Der Zustand war bedenklich und bedauernswert:
 
Scharniere waren ausgerissen, Nieten und Ziernägel verrostet und zerfallen, das Segeltuch verfault und mit Farbe verkleckst, Schloss und Beschläge angelaufen, die Metallbänder waren ver- und durchgerostet, die Lederhenkel versprödet und von der früheren Innenausstattung war nur noch etwas zu erahnen (kaputte Führungsleisten und Tapetenreste).
 
 
   
 
Gedacht als "Wäschetruhe", zur Aufbewahrung von Bettzeug, sollte die Kiste möglichst authentisch "aufgehübscht" werden...
 
Begonnen wurde mit der äußeren Reinigung. Mit leichter Seifenlauge und Schwamm wurden die Außenflächen abgeseift. 
Dabei musste festgestellt werden, dass (durch frühere Feuchtigkeitseinflüsse) die  bereits schwarz verfärbten Segeltuchflächen so stark zersetzt waren, dass sich am Deckel 2 Felder auflösten.
Auch im Scharnierbereich an Deckel und Kiste muss der Bezugsstoff ersetzt werden. Dazu mussten die mit vielen kleinen Nägeln angebrachten Metallbänder gelöst werden, um eine möglichst durchgehende Fläche für einen neuen Bezugstoff zu erhalten.
Später musste dann auch noch der komplette Kistenboden von der Segeltuchhaut befreit werden...
 
   
  
 
Dann wurde der Innenbereich gereinigt. Sämtliche Tapetenrest und Leisten wurden entfernt.
 
 
 
Hauptproblem bestand nun darin, vergleichsweise originale oder zumindest ähnliche Ersatzteile und Stoffe zu besorgen!
 
Da es sich bei der Aufarbeitung dieser Antiquität, auch für uns um eine Premiere handelte, gestaltete sich die Recherche als schwierig.
Für einige Materialien hatte man eine Idee im Kopf, manche Dinge fand man durch Zufall und bei anderen Teilen bestand die Schwierigkeit darin,
dass man erst "Step by Step" auf weitere Schäden und Problemchen gestoßen ist und entsprechend, durch neue Recherchen,
auch zu neuen Ideen und Materialien gefunden hat...
 
Nach erfolgter Reinigung führte uns Schritt zwei zur "Grundbearbeitung" sämtlicher eisenhaltigen Metallteile.
So wurden diese Elemente mit einem "Rostumwandler" bestrichen. Schon allein dadurch erhielt die Truhe eine deutliche und bemerkenswerte, optische Aufwertung! 
Das in den Jahrzehnten aufgetretene Schwind- und Quellverhalten der Grundholzes hatte für einige "Falten" in den Einfassbändern gesorgt.
Da diese aber auch den Charme der Truhe ausmachten, verzichteten wir darauf, sämtliche Zierleisten und Bänder zu demontieren und zu richten.
Allzu stark abstehende Falten wurden so mit einem kleinen Hammer vorsichtig "angehämmert" und nur komplett durchgerostete Bänderecken wurden entfernt. 
 
  
 
Ein Hauptproblem bestand nunmehr in der Wahl eines neuen, möglichst ähnlich strukturierten Stoffersatzes.
Auch für die Art der Verklebung (früher mit Leinölfirnis und/oder Harz eingelassen) des Stoffes musste eine Möglichkeit gefunden werden.
 
Für den Scharnierbereich schien uns zu diesem Zeitpunkt ein robustes Jutegewebe, eingebettet in Kunststoffgewebekleber die beste Wahl.
Im Original war hier das Gewebe über 2 flache Möbelscharniere (eventuell bei einer früheren Reparatur ausgetauscht?) hinweggespannt.
Damit waren Deckel und Kiste auch durch das Gewebe miteinander verbunden.
Für die weitere Bearbeitung schien uns dies hinderlich und so entschlossen wir uns für die getrennte Bearbeitung von Deckel und Kiste.
Auch hatten wir (für uns) bereits eine, etwas "passender" aussehende, sichtbar bleibende Scharniervariante im Sinn.
 
   
 
Da sich der Jutestoff zwar als sehr robust - aber doch als recht grob erwies, versuchten wir für die Flächen am Deckel und für den Kistenboden einen "feiner" strukturierten Stoff zu finden.
Fündig wurden wir in der Maritim-Abteilung eines Baumarktes. Ursprünglich auf der Suche nach echtem Segeltuch, fanden wir dort ein Reparaturset für Kunststoffbootskörper.
Das dazu gehörende Glasfasergewebe gab es in verschiedenen Größen und war von der Struktur dem alten Segeltuch sehr ähnlich...
 
 Gewebevergleich!
 
Obwohl schon ein "Probefeld" mit Jutegewebe beklebt war, entschieden wir uns letztlich für den Materialwechsel.
 
 
 
  
 
Es folgten erste Reinigungsversuche an den vermessingten Beschlägen und die Grundfarbgebung der Gewebeflächen.
Die Holzleisten wurden bis zum Grund mit feinem Schleifpapier abgeschliffen und die Farbklekse vorsichtig abgeschabt.
 
Von den über Fünfzig, ehemals mit einem feinen Messingüberzug hergestellten, Ziernägeln ließen sich leider keiner mehr "retten"!
Vom Durchmesser her konnte zwar ein Ersatz besorgt werden... Allerdings hatten die Originale nicht nur eine Zier- sondern auch eine Haltefunktion zu erfüllen!
Leider können die "neuen" Ziernägel da nicht mehr mithalten!
Die Länge und Dicke der originalen Nagelstifte ging durch die Holzleisten und Metallbänder und hielten (auf der Innenseite "umgeschlagen") die Einzelteile zusammen.
Zwar konnten die Holzleisten ersatzweise angeklebt werden, aber für die Stahleinfassung am Deckelrand musste eine andere Möglichkeit  gefunden werden.
 
 
 
So mussten, innerhalb der Nagelkopfkappen zusätzliche kleine Löcher gebohrt, lange Nagelstifte eingesetzt und rückseitig umgeschlagen werden.
Erst danach konnten die neuen Nägel festgeklebt und eingesteckt werden. 
 
   
 
Ebenfalls als schwierig sollte sich die Materialfindung zu den durchgerosteten Blechbändern gestalten.
Erst nach langer Suche konnten Weißblechplatten gefunden, in Streifen geschnitten und an die Ecken angepasst werden.
Die Befestigung erfolgte dann nach Vorlage in sehr engen Abständen mit winzigen Mininägeln. 
 
    
 
Schließlich erfolgte noch die finale Farbgebung. Ziernägel, Lederriemen und Scharniere wurden montiert, Schloss und Beschläge poliert.
Sogar ein Schlüssel wurde handgefertigt und dann konnte es an die Innenausstattung gehen!
 
 
  
 
 
Der Innenbereich wurde mit weißer Farbe grundiert, die Innenwände mit Polsterflies ausgekleidet und mit Dekostoff bespannt.
Übergänge mit Holzleisten vernagelt und optische Feinheiten mit Kordelschnüren, Überschlagbändern und Spanngurten geschaffen.